 |
Zur Freiheit befreit
Ich wurde kürzlich gefragt, was meine wichtigste Bibelstelle sei. Spontan habe ich gesagt: Das ist der Satz aus dem Galaterbrief: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal5,1)
Diese Freiheit des Evangeliums hat mich in meinem Leben begleitet. Sie hat mir die Kraft gegeben, allen Einengungen durch andere etwas entgegenzusetzen und mein Leben in Verantwortung vor Gott in Liebe zu gestalten.
So hat sie mir z.B. den Mut gegeben, als Jugendlicher Kindergottesdienste mitzugestalten, obwohl ich gestottert habe. Sie hat mir die Klarheit gegeben, denen zu widersprechen, die mein Liebesverhältnis zu meiner Freundin für Sünde hielten, nur weil wir nicht verheiratet waren. Sie hat mir die Einsicht gegeben, mich auch staatlichen Gesetzen zu widersetzen, indem ich die Zufahrt zu Atomwaffenlagern blockierte, um gegen das atomare Wettrüsten zu protestieren. Sie lässt mich heute meinen eigenen Verstand benutzen, um zu prüfen, ob es nicht doch möglich sein sollte, mit Muslimen gemeinsam zu Gott für Frieden und Gerechtigkeit zu beten.
Die Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, ist keine Beliebigkeit. Es ist die Freiheit, die aus der Liebe Gottes kommt und an der Liebe Gottes orientiert ist. Es ist dieselbe Freiheit, mit der Jesus am Sabbat Kranke heilte aus Liebe zu dem kranken Menschen. Es ist die Freiheit, aus der heraus Luther die Kirche seiner Zeit kritisierte, die die Angst der Menschen für ihren eigenen Reichtum ausnutzte. Und es ist die Freiheit, die einen Martin Luther King dazu brachte, sein Leben dafür einzusetzen, dass Menschen aller Hautfarbe in den USA dieselben Rechte bekommen.
So ist diese Freiheit Kraft und Anspruch zugleich. Sie kann gut tun und sie kann Angst machen. Aber wenn wir auf sie trauen, und wenn wir auf den trauen, der sie schenkt, dann führt sie zum Leben.
Deshalb lassen Sie uns allen widerstehen, die versuchen uns diese Freiheit zu nehmen und die uns vorschreiben wollen, was wir zu tun, zu denken oder zu fühlen haben.
Hanno Paul, Pfarrer am Lukas-Krankenhaus Bünde
Zurück
|
 |