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Wieder neu zum Leben gefunden


Gehören Sie auch zu den Menschen, die sagen: Tot ist tot, und lebendig geworden ist noch niemand? Dann werden Sie immer ihre Probleme haben mit dem christlichen Osterfest - wie viele andere übrigens auch.

Aber dass es manchmal Situationen gibt, in denen sich überhaupt kein Ausweg auftut und man wie gelähmt ist, das werden Sie bestimmt schon erlebt haben. Da sieht man nur die dunkle Seite des Lebens, das, was bedrückt und ängstigt. Alles Lebendige und Hoffnungsvolle verschwindet im Nebel, unerreichbar. Kommt es einem da nicht so vor, als sei man tot? Und sehnt sich nach Leben? Wie zum Beispiel in dieser Geschichte?

Das Mädchen war straffällig geworden. Es war keine kleine Sache, in die sie verwickelt war, eine Verhandlung vor dem Jugendrichter stand an. Vorher aber kam alles das, was im Rahmen der polizeilichen Ermittlung erfolgen musste: Verhöre durch Beamte, Spurensicherung, erkennungsdienstliche Erfassung.

Die Mitarbeiterin vom Jugendamt war schon bei ihr zu Hause gewesen, und immerwieder wurde ihr Vergehen besprochen und untersucht und ihre Beteiligung genau festgehalten. Alle taten sie ihre Pflicht, die einen, um eine faire Gerichtsverhandlung vorzubereiten, die anderen, um das familiäre Umfeld abzuklären und notfalls stützend tätig zu werden.

Für die Eltern kam das alles wie aus heiterem Himmel. Sie hatten wohl Anzeichen bemerkt, dass ihre Tochter sich verändert hatte, aber nie im Leben hätten sie erwartet, dass sie eine Straftat begehen würde. Sie empfanden Zorn und Enttäuschung und Trauer und ließen sie das auch deutlich spüren.

Aber da waren auch die vielen Vorwürfe, die nicht ausblieben: Wie konntest du bloß! Was hast du dir dabei denn nur gedacht? Weißt du überhaupt, was nun auf dich zukommt? Und was wird aus deiner Lehrstelle, du weißt, wie schwer es war, eine zu finden! Wie konntest du uns allen das nur antun! Und die Nachbarn - was werden die sagen? Wir können uns doch kaum noch blicken lassen!

Ein Vater ist ein Vater und eine Mutter ist eine Mutter. Ein Lehrer ist ein Lehrer und eine Polizistin ist eine Polizistin. Eine Mutter ist nicht Lehrerin und ein Vater ist nicht Polizist. Wir sind immer etwas ganz Bestimmtes und tun gut daran, jeweils genau zu bestimmen, was und wer wir sind - und uns danach auch zu verhalten.

Die Eltern hatten sich verhalten wie all die anderen - aber nicht, wie das Mädchen gerade jetzt Vater und Mutter gebraucht hätte.

Und dann wurde ihnen das klar. Und dann änderten sie ihr Verhalten: Der Vater sagte deutlich, was er dachte. Dass er das alles nicht in Ordnung fand. Aber er sagte auch das: Und ich habe dich lieb! Und trotzdem stehe ich zu dir! Und wir werden gemeinsam das alles durchstehen! Wir, deine Mutter und dein Vater, wir lassen dich nicht allein!

Dann nahmen sie ihre Tochter in den Arm. - Gemeinsam haben sie alles durchgestanden. Die Gerichtsverhandlung und die Zeit der Strafe, die Gespräche mit dem Ausbilder und auch die scheelen Blicke der Nachbarn.

Da sind für mich Menschen wie tot gewesen, und sie haben wieder zum Leben gefunden. Nein, ich will es anders sagen: Sie sind wieder zum Leben gebracht worden. Denn Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und neues Leben ans Licht gebracht.

Manfred Walter, Gemeindepfarrer der Stephanus-Kirchengemeinde Hiddenhausen

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