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Wer nicht macht, macht nichts verkehrt ... ?
„… und wenn die Welt voll Teufel wär …“, so singen wir mit Martin Luther im Reformationsgottesdienst. Doch der Ort des Teufels ist ja bekanntlich ein anderer. Er soll tief unter dieser Welt in der Hölle sitzen und dort alle Sünder bestrafen.
Aber eines Tages, so erzählt es der spanische Dichter Pedro Calderón de la Barca, geschieht etwas, was nicht geschehen darf: Voll. Kein Platz mehr in der Hölle, nichts mehr frei. Der Teufel selbst musste sich herausbegeben, um die Bewerber fortzuschicken. „Bei mir ist alles so überfüllt, dass nur noch ein einziger Platz frei ist“, sagte er. „Den muss der ärgste Sünder bekommen. Und nun forschte er unter den Anstehenden und hörte sich deren Verfehlungen an. Was auch immer sie ihm erzählten, nichts schien ihm schrecklich genug, als dass er dafür den letzten Platz in der Hölle hergeben mochte. Wieder und wieder blickte er die Schlange entlang. Schließlich sah er einen, den er noch nicht befragt hatte. „Was ist eigentlich mit Ihnen? Was haben Sie getan?“ – „Nichts“, sagte der Mann, den er so angesprochen hatte. „Ich bin ein guter Mensch und nur aus Versehen hier. Ich habe geglaubt, die Leute ständen hier um Zigaretten an.“ „Aber Sie müssen doch etwas getan haben“, sagte der Teufel. „Jeder Mensch stellt etwas an.“ „Ich sah es wohl“, sagte der „gute Mensch“, „aber ich hielt mich davon fern. Ich sah, wie Menschen ihre Mitmenschen verfolgten, betrogen, niederschlugen und verhungern ließen.“ „Sind Sie wirklich sicher, dass Sie das alles mit angesehen haben?“ fragte der Teufel ungläubig. „Vor meiner eigenen Türe“, sagte der „gute Mensch“. „Und Sie haben nichts getan?“, wiederholte der Teufel. „Nein!“ – „Komm herein, mein Sohn, der Platz gehört dir!“
„Wer nichts macht, macht nichts verkehrt!“ Das mag richtig sein und doch zugleich ist es verkehrt. Es gibt Mitmenschen, die ihre Ignoranz, ihren Gleichmut verstecken und schönfärben mit Worten wie: „Warum ich, es gibt doch andere und besser Geeignete als mich!“ Ein Wort dagegen könnte den Panzer der weitverbreiteten Gleichgültigkeit aufbrechen. Ein Wort, das einem schwer über die Lippen kommt und doch so wichtig ist. Ja, ich mache viele Fehler, werde schuldig, stoße Menschen vor den Kopf. Aber ich lege die Hände nicht in den Schoß. Ich nehme Rückschläge, Enttäuschungen in Kauf, in der Hoffnung auf Vergebung, damit diese Welt nicht zur Hölle wird.
Kai-Uwe Spanhofer, Pfarrer in Sundern, Stephanus-Gemeinde
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