Aktuelle Gottesdienste
Aktuelle Nachrichten
Aktuelle Termine
Downloads
Immobilienbörse
Kircheneintritt
Kontakt
Links
Monatliche Andacht
Patenbescheinigungen
Stellenbörse
Interner Bereich mit Login
Über unseren Service

So gesehen


„Sind Sie traurig, wenn wir nicht mehr da sind?“ fragte sie mich. Ich zögerte mit der Antwort, dachte nach über diese Frage der 14-Jährigen.

In ein paar Wochen wird sie zusammen mit 31 anderen Konfirmanden konfirmiert. Wir waren dann fast zwei Jahre lang im „Unterricht“ – wie man früher sagte – zusammen. Haben uns gefetzt, miteinander gelacht, diskutiert, uns genervt.

Sie sagen „Pappen“ zu mir und ich „Blagen“ zu ihnen, und wir wissen, dass wir das mit großem Respekt voreinander tun. Respekt ist viel mehr als Toleranz, die ja nur meint: Du kannst tun und lassen, was du willst, es ist mir gleich.

Mir ist es überhaupt nicht egal, wie die jungen Leute denken, worüber sie sich freuen und was sie ärgerlich und traurig macht. Und ich spüre bei ihnen, dass sie mich nicht nur als unnahbaren Pastor behandeln, sondern eben als ihren Pappen Walter, der auch die Auseinandersetzung nicht scheut.

Am Wochenende haben wir die letzte Freizeit miteinander verbracht. Es ging um ihre Konfirmationssprüche. Sie haben die Sprüche auf besondere Weise graphisch gestaltet (in unserer Versöhnungskirche sind sie zu sehen) und hineingearbeitet, wo sie sich selbst darin beschrieben finden: Wie sie im Moment ihre Beziehung zu Gott sehen, zu Glaube, Hoffnung und Liebe, zu ihrem Lebens- und Glaubensweg, auch zu den Brüchen, wenn –Zukunfts-Berge weichen und Hoffnungs-Hügel wanken.

Sie haben damit auf besondere Weise ihrem Glauben Ausdruck gegeben. Natürlich haben wir getobt, gespielt, ich wurde gefangen genommen und hart bedrängt, die Nacht war – na ja, wie sie eben so war. Meine Einstellung ihnen gegenüber hat sich verändert.

Sie sind nun keine Kinder mehr, keine Blagen, sie sind junge Leute, die ihren Weg gehen werden, darüber bin ich ganz sicher. Sie werden etwas bekommen, was sie so stark machen wird, dass ihnen nichts mehr etwas anhaben kann: den Segen Gottes.

 „Wenn wir dich haben kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod“ heißt es in einem dieser trotzigen christlichen Lieder. Es wird wohl eine Zeit und eine Reihe Erlebnisse brauchen, bis sie die Kraft dieses Satzes erkennen, und sie werden dazu auch vertraute Menschen brauchen, die ihnen Gottes Liebe geben, sie voller Achtung begleiten und die Nähe nicht scheuen, auch wenn es mühsam wird.

Wer nur tolerant ist, wird dann an ihnen vorbei gehen. Ich will das nicht, nicht jetzt und nicht in Zukunft.

Ob ich traurig bin, wenn die Konfirmandenzeit vorüber ist? Ja, das bin ich, bei jedem Jahrgang wieder.

 

Manfred Walter, Schweicheln

Zurück

14.05.2012 | Musik und Singen bewirkt etwas Gutes

09.05.2012 | Frühjahrsempfang des Kirchenkreises Herford

03.05.2012 | Gefühle, Verantwortung und Perspektiven

23.05.2012 | Chaim Noll: Erzählungen aus Israel - Lesung und Gespräch

29.06.2012 | Das Leben umarmen. Einkehrtage im Kloster

05.07.2012 | So lange die Erde steht - Dem Klimawandel begegnen

11.09.2012 | Nach einer Krankheit zurück in den Alltag - Wiedereingliederung am Beispiel des Schlaganfalls

28.09.2012 | Dem eigenen Sterben begegnen - das Leben begrüßen