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Ohne Worte – vor Gott
Wie stellen Sie sich Jesu Leben vor? Das ruhigste war es sicher nicht: als Wanderprediger immer unterwegs, ohne feste Wohnung, angewiesen auf Spenden, ausgesetzt den Fragen, Wünschen und Anfeindungen der Menschen. Da wundert es nicht, dass die Bibel immer wieder davon erzählt, dass er die Stille suchte, die Einsamkeit eines Berges oder der Wüste, das Gebet vor Gott.
Genauso unterbrechen auch bei uns immer wieder Menschen ihren Alltag, um in Meditation oder wortlosem Gebet innezuhalten. Worum geht es dabei?
Es geht dabei darum, still zu werden und dadurch klar. So wie ein See: Wenn er voller Wellen ist, dann sieht man darin nichts; wenn die Wellen zur Ruhe kommen, dann können wir uns in diesem See spiegeln und genauso die Dinge um uns herum.
Ebenso ist es auch mit unserer Seele: Wenn wir voller Gedanken sind, dann bestimmen uns diese Gedanken und unser Kern bleibt uns fern. Erst wenn diese zur Ruhe kommen, haben wir eine Chance, das zu sehen, was wirklich in uns ist. Und erst dann können wir auch zu Handlungen kommen, die mit unserm Innersten im Einklang stehen.
Dieser Weg der inneren Klärung ist für alle Menschen möglich, Christen und Nichtchristen. Es gibt inzwischen sogar Therapiemethoden, die darauf aufbauen.
Wir Christen glauben, dass wir im Innersten unserer Seele auf den treffen können, der uns erschaffen hat, auf Gott. Die Begegnung mit ihm entzieht sich unserer Planung und Verfügung. Manchmal wird sie uns geschenkt, dann spüren wir seine Nähe in einer Weise, die unsere Sprache sprengt. Doch diese Begegnung führt nicht in den stillen Rückzug, sondern befähigt uns, uns der Welt zu stellen und in ihr unsere Frau oder unseren Mann zu stehen.
Und auch der Weg dahin lohnt sich. Denn die Klärung der Gedanken macht auf Dauer klarer, stärker und lebendiger und hilft, das eigene Leben so zu leben, wie es Gott für uns gedacht hat.
Hanno Paul, Pfarrer am Lukas-Krankenhaus Bünde
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