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Liebe deinen Nächsten wie dich selbst


Am heutigen 1. September jährt sich der Tag, an dem mit Deutschlands Überfall auf Polen der 2. Weltkrieg begann und der manche meiner Gesprächspartner bis heute verfolgt. Als Krankenhauspfarrer erzählen mir nämlich viele ältere Menschen, was sie damals erlebt, erlitten und getan haben: Wie sie blutjung mit minimaler Ausbildung an die Front geschickt wurden, und nur wenige kamen zurück. Wie sie andere Menschen umgebracht haben. Wie sie von ihren Vorgesetzten erniedrigt wurden. Wie sie unter den Bomben gelitten haben. Wie sie ihre Familien verloren. Wie sie vertrieben und umgesiedelt wurden, manchmal zwei- und dreifach.

Bei meiner inneren Suche danach, wie Christen zum Krieg stehen sollten, finde ich Orientierung bei dem Satz Jesu, der in allen Dingen für mich die Grundlage ethischer Entscheidung ist: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!

Doch was heißt das bezüglich des Krieges? Was kann ich lieben, wenn ein Mensch den anderen unterdrücken oder gar umbringen will?

Christen haben darauf unterschiedliche Antworten gefunden. Eine davon ist die Lehre vom gerechten Krieg. Sie sagt, um einer gerechten Sache (also aus der Liebe zu den Bedrohten) willen darf Krieg geführt werden, wenn die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt bleibt und Unbeteiligte geschützt werden.

Theoretisch leuchtet mir das sehr ein, in der Praxis kenne ich ich solche Kriege nicht. Immer sind Zivilisten Opfer der Kriege geworden, Frauen, Kinder, unbeteiligte Männer. Immer ist die Menschlichkeit verloren gegangen, wurde gefoltert, gemordet, verbrannt und geplündert. Und fast immer wurden alle Seiten dabei schuldig. Das gilt für den 2. Weltkrieg wie für die Kriege der Gegenwart.

Fast immer haben Kriege auch die Saat für neuen Hass und neue Gewalt gelegt. Hier bildet der 2. Weltkrieg vielleicht eine gewisse Ausnahme, da man sich zumindest im Westen danach ernsthaft um Versöhnung bemüht hat.

Doch schau ich mir das Bild insgesamt an, dann wird mir klar: Die Liebe zu den Menschen befiehlt, auf Kriege und ihre Vorbereitung zu verzichten und friedliche Lösungen für die Konflikte zu suchen. Auch das kann viel Leid kosten, wie die Geschichte vieler Gruppen beweist, die sich gegen den Krieg entschieden haben. Aber es schafft Hoffnung, auf Frieden und Gerechtigkeit und trägt damit langfristig dazu bei, die Welt zu einem lebenswerteren Ort zu machen.

Pastor Hanno Paul, Krankenhauspfarrer am Lukas-Krankenhaus Bünde

 

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