Aktuelle Gottesdienste
Aktuelle Nachrichten
Aktuelle Termine
Downloads
Immobilienbörse
Kircheneintritt
Kontakt
Links
Monatliche Andacht
Patenbescheinigungen
Stellenbörse
Interner Bereich mit Login
Über unseren Service

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Rö 12,21)


Wie ein Kalendervers kann uns diese Jahreslosung vorkommen. Zu Beginn des Jahres aufgeschlagen - als Sinnspruch auch für das, was da kommt. Solche Verse und Sprüche klingen mitunter recht allgemein. Doch Paulus präsentiert uns hier keine lebensferne Allerweltsweisheit. Im Gegenteil: Wir werden auf eine wesentliche Dynamik unseres Lebens angesprochen und darauf, wie wir uns verhalten sollen. Entscheidung für das Gute gegen das Böse.

So zu handeln, ist alles andere als einfach. Paulus sagt einmal: Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich (Röm 7,19).

Wir schaffen es offenbar nicht, immer nur gut zu sein. Wir verrennen uns immer wieder.

Das ist nicht bloß ein allgemeines Gefühl, das ist auch nicht jene pessimistische Sicht auf den Menschen, die man Kirchenleuten oft unterstellt. Wir haben es mit unserer Grundkonstitution zu tun. In der aktuellen Ausgabe des Magazins Geo kompakt zum Thema „Warum wir gut und böse sind“ heißt es: „Seit der Mensch über sich nachdenkt, weiß er, dass er geteilt ist in eine helle und eine dunkle Seite, in Anständig und Unanständig, in Gut und Böse. Wohl jeder von uns ist in bestimmten Situationen einfühlsam, liebevoll, mitleidend, großzügig, uneigennützig. Umgekehrt aber gibt es auch wohl keinen, der nicht hin und wieder egoistisch ist oder anderen den Erfolg neidet, der nicht vom Zorn gepackt wird, aggressiv auftritt oder seine Mitmenschen belügt. Alle diese Eigenschaften lassen sich auf die lange Entwicklungsgeschichte des homo sapiens zurückführen; sie sind längst in seinem genetischen Erbe verankert.“

In dem Magazin finden sich Fotos, die uns in unserer Zwiespältigkeit und Zerrissenheit zeigen. Niemand, der diese Bilder betrachtet; wird sagen können: „Böse? Das sind die anderen!“ Es kommen Neurowissenschaftler, Evolutionsbiologen und Anthropologen zu Wort, die die Schattenseiten des Menschen schonungslos offen legen. Sie entdecken aber auch einen Überschuss des Guten: „Der Mensch trägt also beide Eigenschaften in sich: Die Neigung zur Gewalt – und noch viel mehr die Fähigkeit, Frieden zu schließen und zu kooperieren. Welche Option er wählt, ist nicht nur biologisch vorgegeben, sondern hängt von den Umständen ab.“

In dem Wissenschaftsmagazin werden Glaube und Bibel nur am Rande erwähnt. Dabei lässt sich über die Umstände, von denen die Wahl der Option abhängt, aus biblischer Sicht manches sagen. Die Bibel ist realistisch; sie kennt unsere Abgründe. Sie sieht uns aber vor allem hineingenommen in die Geschichte Jesu Christi. Weil wir zu Christus gehören, leben wir in „anderen Umständen“.

So versucht Paulus, unsere guten Seiten stark zu machen. Er gibt sich nicht damit zufrieden, dass wir nun einmal helle und dunkle Seiten haben. Für ihn ist es kein ewiges Gesetz, dass wir uns immer wieder ins Böse verrennen. Er weiß uns schließlich an der Seite dessen, der das Böse einmal endgültig überwinden wird. Mit Christus sind wir auf dem Weg zum Guten in seiner ganzen Fülle.

Nur wie können wir uns diesen Weg vorstellen? Boshafte Dinge zu beschreiben, fällt uns oft leichter, als gute Wege herbeizufantasieren. Solche Fantasie ist aber notwendig.

Was wäre etwa, wenn ich Gewalt nicht mit Gegengewalt beantwortete? Es kann passieren, dass mich andere dann für einen ohnmächtigen Trottel halten; es kann aber auch – deutlich und strahlend - erkennbar werden: ich habe dem Bösen ein Schnippchen geschlagen, weil ich es ihm nicht in selber Münze heimgezahlt habe. Lassen wir doch an den einzelnen Kalendertagen des Jahres 2011 im Sinne der Jahreslosung unserer Fantasie freien Lauf.

 Michael Krause, Superintendent des Kirchenkreises Herford

Zurück

14.05.2012 | Musik und Singen bewirkt etwas Gutes

09.05.2012 | Frühjahrsempfang des Kirchenkreises Herford

03.05.2012 | Gefühle, Verantwortung und Perspektiven

23.05.2012 | Chaim Noll: Erzählungen aus Israel - Lesung und Gespräch

29.06.2012 | Das Leben umarmen. Einkehrtage im Kloster

05.07.2012 | So lange die Erde steht - Dem Klimawandel begegnen

11.09.2012 | Nach einer Krankheit zurück in den Alltag - Wiedereingliederung am Beispiel des Schlaganfalls

28.09.2012 | Dem eigenen Sterben begegnen - das Leben begrüßen