Ich bin noch nicht dran
Ich bin noch nicht dran. Gut, ich bin nicht mehr so fit wie mit zwanzig. Beim Volleyball Spielen geht mir schon mal die Puste aus. Auch die ersten Ersatzteile sind schon fällig und ich spüre mehr als zuvor, dass meine Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist Aber, wie gesagt, ich bin noch lange nicht dran mit dem Sterben. Da fallen mir andere ein. Die sind älter als ich, körperlich hinfällig.
So, denke ich, ist die natürliche Ordnung: Erst die Alten. Die Kinder begraben ihre Eltern. Das ist in Ordnung, und dem Satz kann ich ohne zu zögern zustimmen: Alt und lebenssatt wurde er versammelt zu seinen Vätern. Das war Abraham, ein Mann Gottes zur Zeit des Ersten Testamentes, von dem das gesagt wurde.
Aber so weit ist es noch nicht mit mir. Ich will leben und das Leben genießen. Und schlage wie jeden Morgen die Zeitung auf und werde mit einem Schlag auf den Boden der Tatsachen geholt: Da ist ein Mensch gestorben, und der war weder alt noch lebenssatt.
Und ich spüre: Ich kann mich nicht drücken. Ich muss für mich abklären, wie das ist, das Leben und das Sterben. Sehne mich nach Lebenserfüllung, möchte zufrieden und glücklich leben und aus dem Leben, das Gott mir anvertraut hat, etwas Sinnvolles machen. Das nennt die Bibel übrigens „Ewiges Leben“ und das beginnt nicht erst mit unserem Tod.
Wir werden nicht alles erreichen, was wir uns gewünscht haben.
Wenn Christenmenschen über den Tod nachdenken, dann machen sie sich Gedanken über das Leben, und zwar in großer Gelassenheit. Denn sie wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen: „Gottes Reich“ sagen sie dazu, und darum hat der Tod jede Macht über ihr Leben verloren.
Dennoch denke ich voller Wehmut an all die Lieben, die ich schon weggeben musste an den Tod, und die Trauer zerreißt mir das Herz. So muss es wohl auch sein.
Pfarrer Manfred Walter, Schweicheln
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