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Gott ist auch da


 

Kürzlich waren wir mit einer Gruppe unserer Kirchengemeinde in Berlin. Während der Stadtrundfahrt tauchte vor uns unübersehbar eine Bandenwerbung  mit folgenden Worten auf: „Gott ist auch da.“ Worauf bezieht sich diese Werbung, fragte ich mich. Beim Vorbeifahren fiel mein Blick auf das Kleingedruckte. Es war eine Kirchengemeinde, die zu einer Veranstaltung einlud unter diesem Motto. So bringt man sich ins Gespräch mitten in einer Großstadt, dachte ich.

Aber lässt Gott einfach so über sich verfügen? Wo Menschliches geschieht, da soll Gott auch sein? Kann man denn so sicher sein? Dieser Gedanke scheint Menschen eher fremd, mindestens ein bisschen tollkühn. Aber die Kirchengemeinde beruft sich auf das Wort Jesu: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Gott verbürgt sich für diese Zusage

Manche fragen sich vielleicht irritiert: wo war Gott, als die jungen Menschen im Jemen hingerichtet worden sind. Warum hat er den Mördern nicht die Waffen aus der Hand geschlagen? Eins lässt sich sicher sagen: Menschen, die andere Menschen auf dem Gewissen haben, können sich nicht auf den Gott des Lebens berufen. Sie folgen in ihrem Handeln ihren eigenen Maßstäben und Interessen oder fanatischen Einsichten. Gott lässt die Menschen ihre eigenen Herren zum Guten und zum Bösen sein. Er hat sie nicht als Marionetten geschaffen. Das wäre auch eine Form der Unfreiheit, die nicht in Gottes Gedanken angelegt war. Diese Freiheit kann eben auch zur Unverantwortlichkeit missbraucht werden. Und dann nimmt sie schreckliche Formen an.

 Wenn eine Kirchengemeinde in Berlin Menschen einlädt unter dem Motto: Gott ist auch da, dann will sie Menschen in eine Begegnung mit Gott führen, die zu einer inneren Veränderung von Denken und Handeln führt, damit weniger Ängste und Leid Menschen überfallen. Ein Stein, der in die Sonne gelegt wird, nimmt die Wärme auf und strahlt sie ab. Wer in der Nähe Gottes lebt, nimmt seine Liebe und sein Erbarmen in sich auf, und dann wirkt sich das auch auf die Beziehung der Menschen untereinander aus. Das Bewusstsein, dass Gott da ist, will Kreise ziehen zu mehr Glaube, Hoffnung und Liebe.

 Die Bandenwerbung mit diesem Motto inmitten einer Großstadt hat mich beeindruckt. Hoffentlich machen sich viele auf den Weg, um sich von Gott in ihrem Denken und Handeln verwandeln zu lassen, damit unsere Welt aufatmen kann. Gott ist auch da, wo Menschen hier in Bünde und Umgebung seine Nähe suchen, um sich von ihm formen und prägen zu lassen.

Reinhard Linke, Gemeindepfarrer in Spradow


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