Es ist mal wieder eingebrochen worden ...
Es ist mal wieder eingebrochen worden im Gemeindehaus, nicht zum ersten Mal. Der Täter hat versucht, Türen aufzubrechen, und hat dabei erhebliche Zerstörungen angerichtet. Eine Tür hat er erfolgreich aufgebrochen.
Aus dem Büro des Jugendmitarbeiters hat er die Kasse geklaut. Es war nicht besonders viel Geld darin. Aber es war das Geld der Jugendlichen, die ohnehin bei ihrer Arbeit auf Spenden angewiesen sind. Der Schaden, den dieser Rotzlümmel angerichtet hat, ist weit mehr als materieller Schaden.
Er (oder sie?) muss sich bei uns ganz gut ausgekannt haben, muss also häufiger Gast im Gemeindehaus gewesen sein. Jetzt zieht Misstrauen in unsere Gedanken ein. Könnte es nicht der oder die gewesen sein, die ist so anders als sonst?
Als Gemeinde sind wir „einladende Gemeinde“, wie es in unserem Leitbild heißt, sind ein offenes Haus, die Türen sind einladend geöffnet. Man braucht als Besuchender nicht zu klingeln, um Einlass zu bekommen. Was sollen wir nun tun? Die Türen verschließen? Die Schlösser verstärken?
Ich erinnere mich noch gut an die Einbrüche ins Pfarrhaus, die wir als Familie erlitten haben. Sachen waren durchwühlt worden. Mich ekelte lange Zeit vor meinem eigenen Schrank, weil ich wusste, jemand hatte ohne Befugnis mit seinen schmutzigen Fingern darin gewühlt.
Die Versicherung hat den Schaden ersetzt. Aber mit den geklauten Gegenständen verbanden sich Erinnerungen, manche waren Geschenke von lieben Menschen. Das alles ist uns weggenommen worden. Wir haben damals gegen das Gefühl des Misstrauens angekämpft und begegnen immer noch jedem Besuchenden mit offenen Armen.
Ich verstehe seitdem die Gebote des Ersten Testamentes viel besser. „Du sollst nicht stehlen“ heißt eines davon. Nicht weil Gott Menschen ärgern wollte, hat er das so formuliert. Sondern weil er damit das Zusammenleben schützen wollte.
Gott will, dass ich vor anderen geschützt werde, die mir etwas wegnehmen wollen. Und andere werden vor mir geschützt, der ich mich auch nicht freisprechen kann von Neid und Habsucht. Vielmehr möchte ich anderen gönnen, was sie haben, und genießen, was mir zur Verfügung steht. Ich hoffe sehr, dass dieser Rotzlümmel das auch mal kapiert.
Manfred Walter, Gemeindepfarrer in Schweicheln
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