Das kann nicht schaden
Es gibt einen Sonntagmorgen im Leben vieler Teenager, an dem Eltern ihre Kinder nicht wiedererkennen. Plötzlich stehen die da schick gestylt am Morgen vor dem Spiegel, prüfen noch einmal die Frisur, gelen noch etwas nach oder achten darauf, ob die Fliege auch richtig sitzt. Und dann geht es los: zum Gottesdienst.
In vielen Gemeinden des Bünder Landes wird in diesen Wochen Konfirmation gefeiert.
'Da geh mal hin. Das kann nicht schaden.' - Mit diesen Worten von Eltern und Großeltern im Ohr sind viele Konfirmandinnen und Konfirmanden vor gut 1 ½ Jahren in die Konfirmandenzeit gestartet.
Manches Mal haben sie sich durchgebissen und sehnsuchtsvoll auf den Tag gewartet, an dem der Gottesdienstpass endlich voll ist. Und zuletzt steigt die Aufregung vor dem großen Fest, bei dem sie allein im Mittelpunkt der Familie stehen.
Geschadet hat es dann -hoffentlich- den wenigsten. Aber was bleibt von dieser Zeit?
'Konfirmanden erwerben soziale Kompetenz' - so war es vor wenigen Wochen als Schlagzeile über einem kleinen Presseartikel zu lesen.
Aber es gab auch viele andere gute und neue Erfahrungen: Manchmal wurden die alten biblischen Geschichten lebendig und ganz aktuell. Es kam zu ungewohnten Begegnungen mit anderen Menschen und auch mit Gott. Und es wurde deutlich: Glauben heisst nicht nachbeten, was andere mir vorsagen. Das würde sehr wohl schaden. Sondern Glauben heisst erkennen, was mein Leben tragen kann und danach handeln.
Bei der Konfirmation wird den Konfirmanden dann ein Vers zugesprochen, den sich die meisten selbst ausgesucht haben. Sie bekräftigen damit, was ihnen für ihren weiteren Weg als Christinnen und Christen wichtig ist.
Da heisst es in einem in diesem Jahr beliebten Vers zum Beispiel: Fürchte dich nicht; denn ich bin bei dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Barmherzigkeit. (Jesaja 41,10)
Der Glaube an einen Gott, der uns Mut zuspricht, unseren Weg zu gehen, weil er an unserer Seite ist, kann wirklich nicht schaden. Aber er wird auch mein Leben verändern. Dieser Glaube fordert zum Vertrauen heraus auf die Nähe Gottes in meinem Leben, auch wenn ich ihn nicht sehe und oft vielleicht auch nicht spüre. In diesem Vertrauen aber kann ich fröhlich und gelassen meinen Weg gehen mit allem Unwägsamen, was er bergen mag, mit allen Abbrüchen und allem, was gelingt.
Nein, schaden kann dieser Glaube wirklich nicht. Aber: Wissen das die Eltern und Großeltern eigentlich?
Siegmar Flömer, Gemeindepfarrer in Bünde
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