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Das Gemeinsame stärken und die Unterschiede nicht verwischen


„Allahu akbar“, so erscholl der Gebetsruf des Imam mit gewaltiger Stimme – in der (christlichen) Versöhnungskirche Schweicheln. Und als Antwort sangen wir christlichen Männer das „Lobe den Herren“ nicht weniger kräftig.

Etwa zwanzig muslimische Männer aus der Moscheegemeinde Herford waren von den Männern des Männerkreises Schweicheln eingeladen worden. Es war sozusagen eine Gegeneinladung, denn ein paar Wochen zuvor waren wir zu Gast in der Herforder Moschee.

Wir haben erzählt und uns ausgetauscht: Wie leben wir unseren Glauben? Wie zeigt sich unsere Religiosität im Alltag? Was erleben muslimische Menschen in einer christlich geprägten Kleinstadt wie Herford?

Manche Vorurteile kamen zur Sprache, einige verfestigten sich, andere lösten sich mit einem Lachen in Belanglosigkeit auf. Wir verstanden uns gut und hätten sicherlich eine freundschaftliche Grundlage gefunden, Irritationen oder sogar gegenseitige Ängste abzubauen oder doch zumindest zu bearbeiten. Leider ist der Kontakt inzwischen abgebrochen. –

Wer den jeweils anders Denkenden und Glaubenden kennt und in Freundschaft mit ihm verbunden ist, gerät nicht so leicht in Gefahr, den Scharfmachern und Halbinformierten auf den Leim zu gehen. Ich bin heilfroh, in einem Land mit einer stabilen Demokratie leben zu dürfen, die genügend Instrumente zur Verfügung hat, Extremisten jeglicher Art in die Schranken zu weisen.

Das gilt selbstverständlich für alle Fanatiker, auch die aus dem christlichen Lager. Es ist noch gar nicht so lange her, da bestand ein tiefer Graben zwischen den Evangelischen und den Katholischen, und man konnte nicht so ohne weiteres z.B. jemanden mit dem „falschen“ Gesangbuch heiraten.

Wenn wir das Gemeinsame stärken und die Unterschiede nicht verwischen, greifen wir auf, dass Menschen auf unterschiedliche Weise ihren Glauben leben wollen – und das in einer Demokratie auch können müssen. Kirchtürme und Minarette, Glockengeläut und Ruf des Muezzin werden vielleicht in Zukunft ganz selbstverständlich das religiöse Bild in Deutschland prägen und tun es heute ja schon in den Großstädten.

In manchen islamischen Ländern leben christliche Gemeinden in Bedrängnis. Kirchen brennen. Das Bekenntnis zum Christentum wird strafrechtlich verfolgt. Unser Rechtsstaat beruht auf ganz anderen, freiheitlich-demokratischen Grundlagen, die Religionsfreiheit und das Verbot der Benachteiligung u.a. aus geschlechtlichen oder religiösen Gründen enthält. Diese hohen Güter haben wir mühsam erkämpft und ich möchte sie nicht einschränken mit dem Hinweis auf Unrecht in anderen Ländern.

Natürlich: Als Christenmensch ist für mich Gott der Herr meines Lebens und Jesus Christus mein Heiland und Erlöser, aber ich stelle ebenso fest, dass Gott in seiner großen Weisheit auch andere Wege zu einem erfüllten und „ewigen Leben“ ermöglicht - so lange „alle Dinge in der Liebe geschehen“, wie es Paulus, der Mann Gottes, geschrieben hat.

Manfred Walter, Schweicheln

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