Beten und das Nötige tun
„Beten und das Nötige tun“, schreibt Elisabeth Hübler-Umemoto, Pfarrerin der deutschen Gemeinde in Tokio zur Katastrophe in Japan.
Die Natur hat unseren Glauben an die Technik gründlich erschüttert. Erdbebensicher war Fukushima gebaut worden, aber mit einem solchen Erdbeben hat niemand gerechnet. Jetzt ist es passiert. Die Folgen sind unabsehbar: für die Menschen in Japan und vielleicht darüber hinaus, aber auch für die Einstellung zur Atomkraft, in Japan und vor allem auch bei uns.
Feste politische Konstellationen zerbröseln unter den Ereignissen. Standpunkte lösen sich in Luft auf – ebenso politische Mehrheiten. Das Wahlergebnis in Baden-Württemberg hat gezeigt, dass vieles möglich ist. Viel mehr Menschen sind an die Wahlurnen gegangen und wollen beteiligt sein an den Fragen des Zusammenlebens, wenn sie eine Chance sehen, dass sich etwas tut. Die Furcht vor der Atomkraft spielt dabei eine Hauptrolle. Positiv gesagt: die Suche nach einer Möglichkeit, sich von der Atomkraft abzuwenden. Ob die Mehrheit auch schon bereit ist, den Preis der Umstellung zu bezahlen, ist freilich noch offen.
Die politischen Lager sind in Bewegung geraten. Christen wollen die Erde als Schöpfung Gottes bewahren. Ist das gegen Atomkraft gerichtet? Vielleicht nicht grundsätzlich, aber wenn jetzt, 25 Jahre nach Tschernobyl, schon wieder ein so großer Reaktorunfall passiert, gibt das doch Anlass ganz grundsätzlich zu werden. Kann ich denn wirklich ein solches Risiko eingehen wollen, das alle 25 Jahre zu solchen Katastrophen führt?
Die Antwort ist ein klares Nein. Alles andere sieht nach einem zynischen Umgang mit anderen Menschen aus. Und da Reaktorunglücke auch immer Zehntausende oder Millionen von Menschen betreffen, ist das wirklich auch anders als bei beim Autofahren, wo einzelne Unfallopfer zu beklagen sind, wie man sagt.
Einfacher wird es dadurch aber nicht sofort. Denn es bleibt der steigende Verbrauch von Energie. Appelle nützen da wenig. Es bleiben die Emissionen oder der Naturverbrauch anderer Energiegewinnung. Alle Atomkraftwerke zu schließen, löst eben auch nicht alle Probleme, jedenfalls nicht nach dem jetzigen Stand der Technik.
Die Kollegin aus der deutschen Gemeinde in Japan bekommt in anderer Hinsicht Recht. Wenn ich das Nötige tun will und erkennen will, brauche ich reichlich Phantasie und viele Ideen. Gott mit seinem weltumspannenden Geist mag uns auf die richtige Spur setzen. Entscheiden müssen wir aber trotzdem selber und auch das Richtige erkennen.
Dr. Olaf Reinmuth, Gemeindepfarrer in Herford-Mitte
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