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20 Minuten zurück zur Kirche


Getaufte Christen können nach einem Kirchenaustritt wieder Mitglied werden

Foto: Pfarrer Dr. Olaf Reinmuth in der Kircheneintrittsstelle

Jedes Jahr treten Christen aus der Kirche aus – und wieder ein. Zum Beispiel nimmt die Kircheneintrittsstelle des Evangelischen Kirchenkreises Herford pro Jahr 30 bis 60 Frauen und Männer auf. Der Eintritt ist unbürokratisch.

Die offizielle Kircheneintrittsstelle ist im denkmalgeschützten Frühherrenhaus an der Petersilienstraße in Herford. Als getaufter Christ kann ein Wiedereintritt ganz schnell gehen: Haustür auf, eine Treppenstufe hoch, dann den kleinen Flur geradeaus bis ins kleine Sitzungszimmer. Die Zimmertür steht bereits auf. Drinnen sitzt während der Öffnungszeiten zum Beispiel Pfarrer Dr. Olaf Reinmuth oder einer seiner acht Kollegen. Die Geistlichen sprechen mit dem Eintrittswilligen, helfen beim Ausfüllen des Formulars, unterschreiben es und drücken anschließend ihren kirchlichen Siegel aufs Papier. Nach knapp 20 Minuten ist man wieder in der Kirche.

Laut Reinmuth haben etwa drei Viertel der Menschen, die irgendwann einmal der Kirche den Rücken gekehrt haben, ihren Glauben nicht verloren. Sondern sie sind ausgetreten, weil sie beispielsweise zu ihrer Gemeinde keinen persönlichen Bezug mehr hatten, die Vorteile der Mitgliedschaft nicht ersichtlich waren oder um ein Zeichen zu setzen. Nicht jeder Austritt ist endgültig. „Die meisten Leute, die zur Eintrittsstelle kommen, haben sich schon seit Langem mit dem Wiedereintritt beschäftigt und wollen ihn jetzt vollziehen“, erzählt der evangelische Pfarrer.

Die Gründe für Wiedereintritte sind so vielfältig wie die Menschen, die zurück in die kirchliche Gemeinschaft wollen. Manche haben zum Beispiel eine neue Heimatgemeinde gefunden, in der sie sich wohlfühlen, andere möchten gerne eine Patenschaft für ein Kind übernehmen oder kirchlich heiraten.

Reinmuth: „Manchmal gehört zu den Gründen auch Dankbarkeit, weil einem persönlich oder dem Angehörigen in einer Lebenskrise konkrete Hilfe oder Seelsorge zu Teil wurde.“ Außerdem gebe es Menschen, die durch ihren Wiedereintritt ganz bewusst die vielfältige Arbeit der Kirche unterstützen möchten.

Für den Wiedereintritt ist - genauso wie beim Austritt - keine Glaubens- oder Gewissensprüfung notwendig. Christlich getaufte Frauen und Männer, egal welcher Konfession sie früher angehörten, können jederzeit ohne Angabe von Gründen wieder Mitglied werden. Dazu müssten sie dienstags zwischen 10 und 12 Uhr oder freitags zwischen 15 und 17 Uhr ins Frühherrenhaus kommen. Mitbringen sollten sie ihren Personalausweis und - falls noch vorhanden - ihre Taufurkunde sowie ihre Austrittsbescheinigung.

Seit 2005 ist in Herford diese unbürokratische Form des Wiedereintritts möglich. Die Eintrittsstelle ist nicht nur für die Stadtbewohner zuständig sondern für alle Eintrittswilligen, egal wo sie wohnen; bis 2011 nutzten jedes Jahr durchschnittlich etwa 60 Christen diese Gelegenheit. Alternativ zur zentralen Eintrittsstelle kann man auch direkt zur jeweiligen örtlichen Kirchengemeinde gehen, um wieder Mitglied zu werden.

Seit Anfang 2011 ist das beim Pastor oder der Pastorin vor Ort genauso unbürokratisch möglich wie bisher nur im Herforder Frühherrenhaus. Reinmuth: „Vermutlich kamen deswegen im vergangenen Jahr zu uns in die Eintrittsstelle nur 33 Frauen und Männer. Die unbürokratische, schnelle Wiederaufnahme, egal ob in der Gemeinde vor Ort oder in der Eintrittsstelle, hat sich sehr bewährt und wird dankend angenommen.“

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